LockDown Capitalism – Heraus zum 1. Mai!

Seit 10 Jahren geht in Braunschweig das Jugendbündnis zum 1. Mai auf die Straße. Dieses Jahr rufen wir unter dem Motto “LockDown Capitalism” zu einer solidarischen Krisenbewältigung von unten auf. Kommt zur Demo am Samstag, ab 10:30h, Burgplatz! 

Wer zahlt für die Folgen der Corona-Krise?

Das letzte Jahr war weltweit, wie wohl wenige zuvor, von einem einzigen Thema bestimmt: der Corona-Pandemie und ihren Folgen. Auch unseren Alltag im Job, in der Schule, in der Ausbildung oder im Studium hat die Frage nach dem richtigen Umgang mit dem Virus und der damit zusammenhängenden Ausnahmesituation dominiert. Doch wenngleich unser Leben vielfach komplett auf den Kopf gestellt wurde, mussten wir zugleich feststellen, dass unsere Stimmen, unsere Bedürfnisse, unsere Vorstellungen in Politik und Gesellschaft offensichtlich kaum beachtet werden.
Aufmerksam verfolgt haben wir hingegen, wessen Interessen ausgiebig und bereitwillig Gehör finden: Wirtschaftsvertreter:innen, die um jeden Preis Büros und Fabriken offenhalten wollen; Politiker:innen, die ihnen dafür Milliarden bereitstellen und Coronaleugner:innen, die unter dem Deckmantel vermeintlicher Freiheit nur ihre Menschenfeindlichkeit ausleben.
Wir als Jugendliche, Schüler:innen, Auszubildende oder Studierende kommen hingegen meist nur als vermeintlich unvorsichtige Problemfälle oder als bloße Verhandlungsmasse im Hin und Her halbherziger Lockdowns vor. Viele von uns wissen jedoch schlichtweg nicht, wie wir unter den aktuellen Bedingungen unseren Abschluss machen, eine vollwertige Ausbildung bekommen oder unser Studium finanzieren sollen – und dabei uns selbst, aber auch unsere Freund:innen, Familien und Mitmenschen vernünftig schützen können.

Die Krise als Normalzustand

Dabei sehen wir ganz genau, wie die Corona-Krise bloß als Lupe und Brennglas auf seit langem bestehende, systematische Probleme in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen wirkt. Wir sehen, wie ganze Wohnblöcke in der Hand von Immobilienfirmen leerstehen, während Menschen auf der Straße oder in beengten Sammelunterkünften leben müssen. Wir sehen, wie sich die EU, unter Mitwirkung Deutschlands, abschottet und dabei Schutzsuchende am langen Arm der Bürokratie verrecken lässt. Wir sehen, wie ein auf Profitlogik getrimmter Gesundheitssektor nach Jahrzehnten von Privatisierungen und Wettbewerbsdruck auf Kosten der Beschäftigten notdürftig über Wasser gehalten wird. Wir sehen, dass unterbesetzte Kitas und unterfinanzierte Schulen ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Erzieher:innen und Lehrkräfte möglichst lange offen gehalten werden, damit Eltern problemlos zur Lohnarbeit gehen können. Wir sehen, dass Betriebe unter dem Deckmantel der Pandemie geschlossen werden oder geschlossen werden sollen und sollten – auch in unserer Region wie bei MAN in Salzgitter (wurde bereits durch Arbeitskämpfe gerettet) oder BHW in Braunschweig. Und wir sehen, wie ganze Betriebe – etwa in der Logistikbranche oder der Fleischindustrie – zu unfreiwilligen Corona-Partys werden, und mit der Gesundheit der vielfach ohnehin prekär beschäftigten Arbeiter:innen und ihrer Angehörigen spielen.
Zugleich erleben wir, dass die politischen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus in erster Linie unsere sozialen Kontakte und unser Freizeitverhalten strikt regulieren, während weite Bereiche unserer Arbeit und Ausbildung unangetastet bleiben. Hier wird klar, dass nicht unsere Gesundheit an sich geschützt werden soll, sondern vor allem unsere Arbeitskraft, damit wir weiterhin Mehrwert für die Wirtschaft produzieren können.
Diese Schlagseite zeigt sich auch in den milliardenschweren Finanzpaketen der Bundesregierung, die ganz im Sinne des “Standorts Deutschland” mehrheitlich den Großunternehmen in energieintensiven Branchen (wie der Luftfahrt- und Autoindustrie) zugutekommen, jedoch die Absicherung sozialer, kultureller und öffentlicher Bereiche auf ein Minimum beschränken.

“Wer hat, der gibt!”

Die Frage, wer für die Folgen der Corona-Krise zahlt, stellt sich somit nicht erst noch, sondern ist bereits vorläufig beantwortet: Es zahlen auf unterschiedlichen Ebenen wie so oft diejenigen, die ohnehin in dieser Gesellschaft schlechter gestellt sind: u.a. Menschen in beengten Wohn- und Lebensverhältnissen, systemrelevante Arbeitskräfte in mies entlohnten Branchen, Betroffene von Isolation und häuslicher Gewalt, Menschen aus Risikogruppen. Auch die Kapitalseite vom “Arbeitgeberverband” hat in den jüngsten Tarifrunden mit ihren Angeboten bewiesen, wer ihrer Meinung nach für die Krise zahlen soll.
Folglich muss es für uns gemeinsam darum gehen, stattdessen die Gewinner:innen der Krise bezahlen zu lassen! Ganz nach dem Motto “Wer hat, der gibt!” fordern wir eine Umverteilung des Reichtums, sowie eine Vergesellschaftung öffentlich notwendiger Bereiche. Gegen die Verwertungslogik aus Wettbewerb und Profitzwang, hin zu bedarfsorientiertem Wirtschaften und gemeinwohlorientierter Versorgung.

Verantwortung, Zusammenhalt, Solidarität

Dafür braucht es eine Vernetzung unserer unterschiedlichen demokratischen, sozialen, feministischen, antirassistischen, ökologischen Kämpfe und Streiks – auch und gerade in Zeiten einer Corona-Pandemie.
Ansätze, die Probleme in der Corona-Politik aus einer an menschliche Bedürfnisse ausgerichteten Perspektive öffentlich zu benennen und Druck von unten aufzubauen, gibt es zur Zeit zum Beispiel mit der #ZeroCovid-Kampagne. Praktische Bespiele sind zahlreiche Nachbarschaftshilfen oder Protestaktionen im Logistik- und Gesundheitssystem. Lasst uns diese progressiven Momente der Solidarität als Antwort auf die Krise weiter vorantreiben!
Gemeinsam für eine solidarische Gesellschaft und das gute Leben für alle. Heraus zum 1. Mai!

Das Braunschweiger Jugendbündnis zum 1. Mai besteht seit 2011 und setzt sich aus Aktiven verschiedener Organisationen von Gewerkschaftsjugenden über Jugendverbände bis hin zu antifaschistischen Gruppen und Initiativen zusammen. Gemeinsam haben wir eine fundamentale Kritik an der kapitalistischen Gesellschaftsordnung und die Forderung nach einem besseren Leben für alle.